Darum ist Pinterest der neue Big Player im E-CommcerceDarum ist Pinterest der neue Big Player im E-Commcerce

Pinterest überrascht derzeit mit einer Rundumoffensive in Sachen E-Commerce. Da wird ein Warenkorb eingeführt, Studien zur Effektivität von Werbe-Pins veröffentlicht, neue Targeting-Möglichkeiten angekündigt und dann gibt es auch noch einen beeindruckenden Brain Drain in das Unternehmen. Doch lesen Sie selbst, wie Pinterest sich unmissverständlich als Big Player im E-Commerce aufstellt.

1. Pinterest führt den Warenkorb ein

Pinterest entwickelt sich zusehends zum Darling der E-Commerce-Szene. Die Kaufbereitschaft der Nutzerschaft ist hoch und die visuell starke Plattform steigert die Kauflust zusätzlich. Nachdem Werbe-Pins in den USA zuletzt allen Unternehmen zugänglich gemacht wurden, gibt es nun Neuigkeiten zu Buyable Pins, die Produkte direkt in Pinterest kaufbar machen und weitere neue Features, die einen wahren Rundumschlag in Sachen E-Commerce verkünden.

Buyable Pins wandern ins Web

Pinterest koopiert bislang mit rund 20.000 Händlern, die mehr als 10 Millionen Produkte auf Pinterest anbieten. Bislang konnten Buyable Pins nur in den USA und dort nur auf Android ausgespielt werden, nun werden sie auch über die Web-Version zugänglich. iOS-Nutzer müssen noch etwas warten.

Der Warenkorb als E-Commerce-Symbol

Viel interessanter ist aber die Meldung, dass Pinterest nun einen Warenkorb einführt. Für den Kaufprozess ist dies nicht wirklich entscheidend, da dieser bei Pinterest mit zwei Klicks ohnehin recht kurz gehalten ist, sobald die Zahlungs- und Lieferdaten einmal eingegeben wurden. In Sachen Usability bietet der Warenkorb dann aber doch einen Vorteil, denn Pinterest hat sich für viele Nutzer zu einem unerlässlichen Planungstool entwickelt und wer die Plattform nutzt, um den nächsten Kindergeburtstag, den nächsten Party-Style oder das nächste DIY-Projekt zu planen, der kauft dann vielleicht doch ein paar Artikel mehr oder legt diese in den Warenkorb, um schlussendlich eine finale Auswahl zu treffen.

[clickToTweet tweet=“#Pinterest etabliert sich unmissverständlich als E-Commerce-Plattform via @mellepelle #ecommerce“ quote=“#Pinterest etabliert sich unmissverständlich als E-Commerce-Plattform via @mellepelle #ecommerce“]

Auch markenpsychologisch ist der Schritt wohl durchdacht, denn der Warenkorb gehört zum E-Commerce wie das Dach auf’s Haus – insofern steigert Pinterest so sein Überzeugungspotential gegenüber Unternehmen, die die Plattform schließlich nutzen sollen. Pinterest etabliert sich hier eindeutig und unmissverständlich als E-Commerce-Plattform. Punkt. Damit sollte die Kategorisierung als Social Media-Plattform nun bald – um einmal im Bild zu bleiben – in den Keller wandern.

Neu: Warenkorb auf Pinterest. Bildquelle: blog.pinterest.com

Die besten Produkte sammelt Pinterest mittlerweile im Pinterest-Shop, der jedoch nur US-Nutzern zugänglich ist, insofern bleibt uns nur der offizielle Screenshot:

The Pinterest Shop: Auswahl an Buyable Pins. Bildquelle: blog.pinterest.com

Verbesserungen bei der visuellen Suche für zusätzliche Kaufanreize

Da wir gerade von Usability sprachen: Die visuelle Suche von Pinterest wurde ebenfalls kräftig überarbeitet. Konnte man bislang auf einem Pin einen Bereich markieren – vielmehr eigentlich einen Gegenstand – um so eine Suche nach ebendiesem zu triggern, so löst der Klick auf das Visual Search Tool (kleine Lupe oben rechts im Bild) nun eine Reihe aktiver Kreise aus, welche die suchbaren Produkte anzeigen. Auch hier ein deutlicher Zugewinn an Nutzerfreundlichkeit, muss man doch nicht mehr irgendwelche Bereiche markieren, sondern bekommt die klickbaren Elemente gleich angezeigt und kann so natürlich auch ganz schnell von einem Produkt zum nächsten gelangen und seinen Warenkorb fleißig füllen.

Visual Search Tool: Die visuelle Bildersuche von Pinterest im Einsatz. Bildquelle: blog.pinterest.com

Das Visual Search Tool bietet eine wirklich innovative Suchmöglichkeit und macht einen herkömmlichen Pin quasi zu einem Hyper-Pin, so wie ein Text durch Links zu einem Hypertext wird. Pins werden so auch auf Bildebene miteinander vernetzt, was die Verweildauer der Nutzer auf der Plattform noch einmal deutlich steigern dürfte.

Noch mehr Kaufanreize auf Unternehmensseiten

Als wären dies noch nicht genug Neuerungen, können Unternehmensprofile auf Pinterest nun ganz neue Rubriken einblenden: Beliebte Produkte, Reduzierte Artikel und Versandangebote („Shipping Deals“, was auch immer das sein soll. Falls hier jemand klärend eingreifen kann, bitte im Kommentar vermerken.).

 

2. Online-Käufer lieben Pinterest

Immer wieder betonen wir das enorme Potential von Pinterest für den Bereich Online-Shopping. Nun bietet der 2016 Internet Trends Report von Kleiner Perkins den Beweis: Pinterest ist mit 55 Prozent bei US-Onlinekäufern die beliebteste Social Media-Plattform. Auf Platz 2 liegen Facebook und Instagram weit abgeschlagen mit 12 Prozent.

[clickToTweet tweet=“Online-Käufer lieben #Pinterest via @mellepelle #ECommerce“ quote=“Online-Käufer lieben #Pinterest via @mellepelle #ECommerce“]

Nun muss man natürlich einwerfen, dass sich Pinterest selbst gar nicht als Social Media-Plattform definiert und auch tatsächlich kaum vergleichbar ist mit Facebook oder gar Snapchat. Insofern ist die Aussage zu relativieren. Dennoch bleibt festzustellen, dass über die Hälfte der US-Onlinekäufer Pinterest nutzt, um Einkäufe zu planen. Damit ist die Plattform für Einzelhändler tatsächlich nicht mehr zu ignorieren.

3. Neue Targetingmöglichkeiten für Werbe-Pins

Pinterest führt neue Targetingmöglichkeiten für Werbe-Pins ein:

  1. Targeting von Bestandskunden über E-Mail oder den Upload von Kundendaten
  2. Retargeting von Webseitenbesuchern
  3. Lookalike Audiences

Damit passt sich Pinterest endlich dem Status quo an, den Facebook, Twitter und AdWords bieten, was dem Werbegeschäft des Unternehmens deutlichen Auftrieb geben dürfte. Erste Testläufe zeigen denn auch beachtliche Ergebnisse: Beim Retargeting verzeichneten Unternehmen dreifach erhöhte Klickraten, während Lookalike Audiences die Click-Through-Raten um 63 Prozent erhöhen und die Reichweite um das 30fache steigern konnten.

4. Pinterest-Werbung steigert Umsätze signifikant

Pinterest setzt auf Oracle Data Cloud, um den Verkaufseffekt von Werbe-Pins im Offline-Einzelhandel zu tracken. Im Zeitraum Q3 2014 bis Q3 2015 ermittelten die beiden Unternehmen im Rahmen einer Kampagne den Return of Investment von 29 Promoted Pin-Kampagnen auf Pinterest. Dabei wurde das Einkaufsverhalten von Haushalten, welche die entsprechenden Produkte auf Pinterest gesehen haben, mit dem von nicht Pinterest nutzenden Haushalten verglichen. Offenbar erhöhen Werbe-Pins das Verkaufsvolumen um das 5-fache, verglichen mit anderen Kampagnen wie Social Media oder Programmatic Advertising.

[clickToTweet tweet=“#Pinterest-Werbung erhöht Kaufvolumen um das 5fache via @mellepelle #ECommerce“ quote=“#Pinterest-Werbung erhöht Kaufvolumen um das 5fache via @mellepelle #ECommerce“]

Im Bereich der Verbrauchsgüter erreichen Marken ihre bestehenden Kunden auf Pinterest mit einer um das 3fache erhöhten Wahrscheinlichkeit. Und diese Kunden geben im Durchschnitt 16 Prozent mehr pro Einkauf aus. Dazu kommt, dass Kunden, die mit einem Werbe-Pin interagiert haben, eine um 12 Prozent erhöhte Wahrscheinlichkeit aufweisen, das Produkt zu kaufen. Alles in allem also rosige Aussichten für Einzelhändler, die auf Pinterest werben möchten.

[clickToTweet tweet=“#Pinterest-Nutzer geben 16% mehr pro Einkauf aus via @mellepelle #ECommerce“ quote=“#Pinterest-Nutzer geben 16% mehr pro Einkauf aus via @mellepelle #ECommerce“]

5. Pinterest bringt den Pin it-Button ins reale Leben

In Brasilien führt Pinterest mit dem landesweit größten Möbelhändler Tok&Stok einen physischen Pin it-Button ein. Alle Produkte in den Geschäften werden mit einem relativ großen, roten Pin it-Button versehen. In Verbindung mit einer App namens Pinlist können Kunden den Button drücken und das Möbelstück so auf Pinterest speichern.

Wären wir nicht im Juni würde ich die Meldung für einen schlechten Aprilscherz halten: Der Button ist ein schrilles Ungetüm, das angesichts der sonst ästhetisch so sicheren Plattform überrascht. Ein QR-Code hätte es vielleicht auch getan.

6. Pinterest kauft pinteressante Köpfe

Fashion App-Entwickler mit E-Commerce-Know-How

Pinterest war im letzten Monat auf Shoppingtour und sicherte sich mit Flesky und Tote gleich zwei Brain Drains. Bei Tote handelt es sich um eine Shopping-App, in der Influencer Styles empfehlen. Die App selbst soll – wie schon zuletzt URX – eingestampft werden. Viel interessanter für Pinterest sind die Köpfe hinter Tote: Die Gründer werden ihre Erfahrungen in den Bereichen E-Commerce, Influencer Marketing und Empfehlungen bei Pinterest gut einbringen können – drei Säulen, die für Pinterest essentiell sind.

Tastatur-Entwickler mit Such-Know-How

Flesky wiederum ist eine Tastatur-App für Android und iOS. Warum Pinterest ausgerechnet einen App-Entwickler kauft, dessen Expertise Tastaturen sind, erschließt sich ad hoc nicht unbedingt. Offenbar soll das Produkt mit minimalem Aufwand weiter entwickelt werden. Die Hälfte des Entwicklerteams wird jedoch zu Pinterest wechseln – das Unternehmen ist also auch hier an der Brain Power der Entwickler interessiert. Die Technologie oder möglichte Patente müssen jedoch auch relevant sein, sonst hätte Pinterest das Personal wohl günstiger abwerben können.

Wie Techcrunch analysiert reißen sich Tech-Unternehmen derzeit um Tastatur-Apps, weil diese Aufschluss und Kontrollmöglichkeiten darüber geben, wie Nutzer nach Informationen suchen – ein Punkt, der natürlich auch für Pinterest als visuelle Suchmaschine überaus interessant ist, wie die letzten Verbesserungen an der Pinterest-Suche zeigen.

Offenbar plant Pinterest die Flesky App als Open Source freizulegen, um Entwickler zu innovativen Lösungen zu animieren, was ein gewisses Potential für innovative Search- und Discovery-Lösungen birgt.

Alles in allem also ein wahrer Paukenschlag, mit dem Pinterest definitiv im E-Commerce Gehör finden wird. Sobald Werbe-Pins in Deutschland verfügbar sein werden (wir rechnen damit, dass dies noch dieses Jahr geschieht), kommen Einzelhändler auch in Deutschland nicht mehr um Pinterest herum. Was ist Ihre Meinung dazu? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.

Dr. Melanie Grundmann

Dr. Melanie Grundmann

Inhaberin, Social Media Consultant at Marpha Consulting
Melanie Grundmann ist Inhaberin von Marpha Consulting und Autorin des Buches Erfolgreich auf Pinterest.
Dr. Melanie Grundmann

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .